Baclofen

Baclofen ist ein Agonist des metabotropen GABA-B Rezeptors und reduziert die Exzitabilität der Alpha-Motoneurone. Die orale Gabe kann mit den unerwünschten Wirkungen Sedierung, Konfusion, Ataxie, Inkontinenz, Schwindel und Schlaflosigkeit assoziiert sein. Bei oraler Gabe von 30-60mg Baclofen erreicht die Liquorkonzentration ein Niveau von 12-96 µg/ml, unter intrathekaler Applikation von 400µg über 24h Werte von 400µg/ml. Die intrathekale Gabe führt somit zu einer Steigerung der Wirkung, gleichzeitig nimmt die Rate der unerwünschten Wirkungen ab (Tabelle 8), was vermutlich auf die lokale Applikation auf spinaler Ebene zurückzuführen ist. Unerwünschte Wirkungen der Therapie mit intrthekalem Baclofen sind Pumpen/katheterinfektionen, CSF Leck, Katheterdiskonnektion, Entzug, verstärktes Schwitzen, Tachykardie, Bradykardie, Sedierung und die Zunahme epileptischer Anfälle. Das Therapieprinzip besteht in einer Tonusreduktion, die vorwiegend die untere Extremität als Ganzes betrifft. Für schwer beeinträchtigte Patienten (GMFCS IV und V) ist die Evidenzlage hierfür als sehr gut anzusehen (ES Ib, EG A). Für die obere Extremität ist eine Tonusreduktion ebenfalls beschrieben (ES IIc, EG C). Die gute Wirksamkeit bei Patienten mit ausgeprägter motorischer Beeinträchtigung (GMFCS IV-V) ist vor allem auch dadurch zu erklären, dass eine Dosissteigerung ohne wesentliche funktionelle Beeinträchtigungen möglich ist. Zentral sedierende Effekte der intrathekalen Baclofengabe sind in der Regel vorübergehend und nicht limitierend. Funktionelle Beeinträchtigungen durch einen zu stark gesenkten Tonus (z. B. beim Transfer) können jedoch auftreten und eine Limitierung bei der Aufdosierung darstellen. Die Auswirkung auf die Skolioseentstehung wird kontrovers diskutiert, sowohl eine Verschlechterung als auch eine Verbesserung sind beschrieben worden (ES V). Vor dem Hintergrund des sehr variablen natürlichen Verlaufs ist hier nach unserer Ansicht die Auswirkung der Baclofentherapie auf die Skoliose sowohl bezüglich einer Verbesserung als auch einer Verschlechterung sehr zurückhaltend zu beurteilen, sie sollte bei der Indikationsstellung eine untergeordnete Rolle spielen. Bezüglich der Dosierung siehe Tabelle 9, für einen Algorithmus bezüglich der Therapieentscheidung siehe Tabelle 10.